Schwere Dürreperiode Sommer 2018

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4 Monate 4 Wochen her - 4 Monate 1 Woche her #239 von Justin Wenk
Justin Wenk erstellte das Thema Schwere Dürreperiode Sommer 2018
Wir wollen in diesem Thread etwas genauer auf die Dürreperiode eingehen, welche uns seit längerer Zeit immer mehr Probleme bereitet.

Das Jahr 2018 begann niederschlagstechnisch sehr unterschiedlich. Der Januar war zu nass (160% vom Monatssoll), der Februar deutlich zu trocken (knapp 16% vom Monatssoll) und der März brachte über das doppelte an Niederschlägen (212% vom Monatssoll) im Vergleich zum 30-jährigen Mittel der ehemaligen DWD-Wetterstation in Halle-Kröllwitz. Der April verlief etwas zu trocken (85% vom Monatssoll). Bis dahin war diese Niederschlagsverteilung aber nicht problematisch.

Erst ab dem Mai nahm die extreme Trockenheit ihren Lauf. In dem Monat sind gerade einmal 6,6 l/m² gefallen. Normal wären hier um die 53 l/m². Dementsprechend fehlten um die 46 l/m². Neben dem massiven Niederschlagsdefizit war der Mai auch noch extrem zu warm ausgefallen. 5,02 K über dem Durchschnitt sind schon eine Hausnummer! Infolge der Trockenheit, Wärme und zusätzlichen Sonneneinstrahlung stieg die Verdunstungsrate immer weiter an.

Dieser Trend setzte sich im Folgemonat fort. Im Juni konnte unsere Wetterstation insgesamt 19,8 l/m² messen, also um die 33 l/m² zu wenig. Temperaturtechnisch lagen wir 3,6 K über dem Durchschnitt, dementsprechend ebenfalls viel zu warm.

Und auch der Juli sieht momentan kritisch aus. In den vergangenen Tagen regnete es zwar in anderen Teilen Ostdeutschlands (ebenfalls von der Dürre betroffen) recht ordentlich, allerdings lag das hierfür verantwortliche Tief mit dem niederschlagsarmen Kern direkt über Sachsen-Anhalt - somit kamen hier hingegen meist nur wenige Liter zusammen, was in dem Fall ein Tropfen auf den heißen Stein darstellt. Während in Teilen Brandenburgs beispielsweise 50 l/m² in einigen Stunden runterkamen, konnten wir innerhalb von 3 Tagen nur knapp 4 l/m² verzeichnen. Zwar ist die Gefahr von Wald- und Feldbränden dadurch etwas gesunken, jedoch wird dies nur von sehr kurzer Dauer sein.

Analysen zufolge handelt es sich um eine der schwersten Dürreperioden seit mehreren Jahrzehnten. Besonders durch die derzeitigen Mäharbeiten kam es in den letzten 1 bis 2 Wochen immer wieder zu zahlreichen Feld- und Ödlandbränden, teils auch zu Waldbränden. Auslöser ist oft ein Funke, welcher beispielsweise durch einen Stein im Schneidwerk verursacht wird. Eine genauere Bilanz folgt demnächst.

Großer Feldbrand am 04.07.2018 bei Brachwitz, wenige Kilometer nordwestlich von Halle:




Großer Feldbrand bei Holleben am 01.07.2018 nahe der A143:



Wodurch kommt es zu der extremen Trockenheit?

Es ist kein Zufall, dass es seit Monaten zu wenig Regen gibt. Den Grund hierfür finden wir viel mehr in der Großwetterlage. In der Regel herrscht oftmals eine West- oder Südwestwetterlage vor (oder es wechselt zumindest immer mal), diese bleibt jedoch seit ungewöhnlich langer Zeit nahezu komplett aus. Die Westdrift leitet normalerweise die Tiefs vom Atlantik zu uns, wodurch das Wetter unbeständiger wird. Stattdessen entwickelt sich aber ein Hoch nach dem anderen und hat dementsprechend Einfluss auf unser Wetter. Insofern sich beispielsweise über Mitteleuropa oder Nordeuropa ein Hoch befindet, blockiert dieses die Zugbahn der Tiefs.

Durch die fehlende Westdrift ist das Wetter auch insgesamt äußerst stabil. Seit Monaten ist es, bis auf wenige Tage, überdurchschnittlich warm und trocken. Die einzelnen kühleren Tage (ab und zu auch mit etwas Regen) verdanken wir lediglich den Höhentiefs.


LG Justin

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4 Monate 3 Wochen her - 4 Monate 3 Wochen her #241 von Justin Wenk
Justin Wenk antwortete auf das Thema: Schwere Dürreperiode Sommer 2018
Teamkollege Christoph hat eine Grafik erstellt, welche einducksvoll zeigt, wie heftig die Trockenheit letztendlich tatsächlich ist. Die Daten stammen von der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Halle-Kröllwitz, ab 2016 wurden die Daten aus Bad Lauchstädt genutzt (da die Station in Kröllwitz nicht mehr existiert).

Bei den verschiedenen Jahren handelt es sich um eine Auswahl der niederschlagsärmsten Jahre im Raum Halle (Saale) und Umgebung seit 1900. Im Vergleich dazu gibt es auch eine Linie, welche ein Normaljahr darstellt. Infolge der Analyse lässt sich ableiten, dass es sich derzeit um die schlimmste Dürre seit 1976 handelt! Sollte die Dürre bis in den August hinein anhalten, wäre es die schlimmste seit Aufzeichnungsbeginn!



143,9 l/m² wurden bis heute vom DWD in Bad Lauchstädt registriert. Die Wetterstation der Uni Halle kommt auf etwa 147 l/m². Unsere Wetterstation in Halle-Dölau konnte in diesem Jahr bisher 151,6 l/m² messen. Das sind etwa 33,5% des Jahressolls. Man bedenke: Im Sommer bzw. zwischen Mai und August fällt normalerweise der meiste Regen. Es ist also fraglich, ob wir im Herbst bzw. Winter überhaupt noch ansatzweise in die Nähe der typischen Niederschlagssummen kommen.



LG Justin

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4 Monate 2 Wochen her - 4 Monate 1 Woche her #244 von Justin Wenk
Justin Wenk antwortete auf das Thema: Schwere Dürreperiode Sommer 2018
Update! Den neuesten Auswertungen zufolge handelt es sich zum aktuellen Zeitpunkt um die schlimmste Dürre seit Aufzeichnungsbeginn! Selbst das extrem trockene Jahr 1976 wurde nun übertroffen.

Die Natur wird mehr und mehr durch die Trockenheit belastet.

Zuletzt ein kleiner Hinweis: Mögl. Schauer oder Gewitter Richtung Freitag/ Samstag können die Statistik natürlich wieder schnell verändern. Allerdings müssen wir leider auch erwähnen, dass auch hierbei nicht viel Niederschlag zusammen kommen wird. Insgesamt wird die Trockenheit nach wie vor bestehen bleiben und sich voraussichltich weiter verschärfen. Die Gefahr von Feld- und Waldbränden bleibt extrem hoch!

Anbei die aktualisierte Grafik von Teamkollege Christoph:



Auch an unserem Diagramm hat sich kaum etwas verändert. Es kamen lediglich 0,4 l/m² dazu.



LG Justin

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4 Monate 1 Woche her - 4 Monate 1 Woche her #255 von Justin Wenk
Justin Wenk antwortete auf das Thema: Schwere Dürreperiode Sommer 2018
Analyse: Ursache für die blockierende Großwetterlage

Im ersten Beitrag wurde erklärt, wodurch die extreme Trockenheit zustande kommt. Zwar ist die vorherrschende GWL (Großwetterlage) mit den blockierenden Hochs in unserem Fall der Grund für die Dürre, allerdings muss es ja auch eine Ursache dafür geben, dass diese Blockaden so ungewöhnlich lang andauern und eine Westdrift nahezu ausbleibt.

Da, infolge der stetigen Erderwärmung, die Temperaturgegensätze großflächig immer geringer ausfallen, kommt es offenbar zu Veränderungen des Jetstreams. Jetstreams sind Starkwindbänder in etwa 8 bis 12 Kilometern Höhe, welche rund um die Erde auftreten. Die Winde entstehen jeweils durch starke Druck- und Temperaturgegensätze. Durch die geringeren Temperaturgegensätze fällt deren Antrieb geringer aus, wodurch diese stärker variieren, vermehrt besonders starke Ausbeulungen aufweisen und auch langsamer ausfallen. Dadurch werden blockierende Wetterlagen deutlich begünstigt, weisen eine längere Dauer auf und häufen sich desweiteren auch. Extremwetterereignisse wie Dürren (dort wo z.B. Hochs die Tiefs blockieren, was u.a. bei uns zu beobachten ist), anhaltende sowie starke Regenfälle (wo längere Zeit nur Tiefdruck vorherrscht), Hitzewellen, Kältewellen etc. können Folgen dieser Entwicklung sein.


LG Justin

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4 Monate 6 Tage her #256 von Felix
Felix antwortete auf das Thema: Schwere Dürreperiode Sommer 2018
Bedrückend trocken. Aber sehr spannend die obigen Informationen. Weiter so.

Mit Stand 05.08.2018 hat meine Netatmo-Wetterstation in Dölau 142,2mm Niederschlag gemessen. Das passt recht gut zu anderen Angaben.

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